Die ersten Tabakbandeliere


Wie werden die Blätter an dem Faden befestigt? Eine Nadel, mit der man die Blätter aufspießen könnte, wird nicht erwähnt – auch nicht im französischen Original. In der deutschen Übersetzung heißt es, man solle die Blätter mit dem Faden „zusamen binden“ . Wahrscheinlich ist mit „zusamen binden“ gemeint, dass die Tabakblätter zu einem Strauß vereint werden, so wie man Küchenkräuter oder Blumen zusammenbindet und trocknet. Für diese Annahme spricht, dass man die Tabakpflanze im 16. und 17. Jahrhundert als eine Heilpflanze klassifizierte. Es war daher naheliegend, die Art der Aufhängung, die man für diese Kräuter kannte, auf das neue Heilkraut Tabak zu übertragen. Ein solcher Bund wird aber anders aufgehängt als ein Tabakbandelier.

Ein Tabakbandelier wird waagrecht aufgehängt. An den beiden Enden des Bandeliers werden Schlaufen gebildet, die jeweils an einem Nagel eingehängt werden. Die Nägel befestigt man an zwei Stellen, die nicht zu weit voneinander entfernt sind, weil der Faden ansonsten reißt. In einem Haus bieten sich dafür die Sparren oder zwei gegenüber stehende Wände eines schmalen Raumes an. Der Abstand der Nägel muss mit der Länge des Bandeliers übereinstimmen. Ist das Bandelier zu kurz, ist ein waagrechtes Aufhängen nicht möglich. Ist es zu lang, hängt das Bandelier zu stark durch, die Blätter rutschen zusammen, verkleben und beginnen zu faulen.

Der Faden, an dem ein Bund hängt, wird dagegen senkrecht aufgehängt. Die Länge des Faden muss nicht exakt abgemessen und zugeschnitten werden. Es ist nur ein Nagel nötig, der an jeder beliebigen Wand oder Decke, unabhängig von der Größe und Proportion des Raumes, befestigt werden kann.

Abgesehen von den Raumdimensionen, sind auch die raumklimatischen Verhältnisse, unter denen der Tabak getrocknet werden sollte, zu berücksichtigen. Estienne und Liebault empfehlen, die Tabakblätter „in eyner Kammer, aber doch inn keyner Sonnen, noch inn den Wind, noch nahe bei das Feuer“ zu hängen. Anders als in späteren Zeiten wird der Tabak nicht in den Wirtschaftsgebäuden, wie Scheune oder Stall, sondern in einem Wohnraum getrocknet. Die genaue Position innerhalb des Wohnraumes bleibt unerwähnt, sie lässt sich aber zumindest eingrenzen. Ausgeschlossen sind der Fensterbereich, wo die Sonne hinscheint, der Türbereich, wo es zieht, und der Bereich um den Kamin, wo sich das Feuer befindet. In Frage kommt beispielsweise die Seitenwand einer Stube, die weder Fenster noch Tür und Kamin aufweist.

Allerdings bleibt dahingestellt, ob die bündelweise Trocknung der Blätter befriedigende Ergebnisse lieferte. Tabakblätter sollen sich in der Trocknungsphase einander nicht berühren, damit die Blätter gut durchlüftet werden und nicht faulen. Das bündelweise Zusammenbinden begünstigte die Faulung und erschwerte das Trocknen. Die Blätter mussten also anders aufgehängt werden. Aber selbst dann wäre die Wohnstube kaum zukunftsfähig für die Trocknung von Tabak: Während für die Tabaktrocknung ein dauernder Luftzug sehr erwünscht ist, möchte man diesen in einem Wohnraum, vor allem im Herbst und Winter, vermeiden. Außerdem wird spätestens im 18. Jahrhundert für Rauchtabak eine Braunfärbung der Tabakblätter verlangt. Hierfür müssen die Blätter dem Sonnenlicht ausgesetzt werden, andernfalls behalten sie ihre grüne Farbe. Das wochenlange Aufhängen des Tabaks vor die Fenster würde die Funktion der Wohnstube erheblich beeinträchtigen. Neben diesen qualitativen Unzulänglichkeiten der Wohnstube trat noch ein anderer Mangel hinzu: Die Wohnstube war zu klein für die Trocknung größerer Tabakmengen:

Weiter: Tabatrocknung auf Dachböden

Dachboden (II)

Dachboden (III)

Sonstige private Dachböden. Öffentliche Dachböden

Die Hauswand als Trockenraum

Sonstige Trockenräume

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