Der Pfälzische Tabakschuppen. Ansicht der Traufenseite

Pfälzischer Schuppen – Traufansicht. Quelle: A. von Babo, F. Hoffacker: Der Tabak und sein Anbau, 1852, Tafel XI

Die Darstellung der Traufseite, Figur 65, ist an der rechte Seite geschnitten, im oberen rechten Bereich durch die Figur 67 überdeckt. Auf dem Fundament stehen in annähernd gleichmäßigem Abstand Ständer, die durch auf dem Sockel liegende Schwellriegel verbunden sind. Je zwei Ständer sind durch ein Kreuzstrebenpaar verbunden. Die Strebenköpfe teilen die Ständer in drei Abschnitte ein: Der obere und untere sind gleich lang, der mittlere ist deutlich länger. Vier auf Lücke genagelte Bretter deuten die Wandfläche an. Sie decken den auf dem Sockel liegenden Schwellriegel fast vollständig und den oberen Balken etwa zur Hälfte ab. Im vierten Joch ist die Sockelmauer ausgespart, dem Anschein nach für eine Einfahrt. Ein Torbalken befindet sich auf der Höhe, auf der sich die Streben der Nachbarjoche kreuzen. Der Bereich oberhalb des Torbalkens und das fünfte Joch sind durch Figur 67 geschnitten.
Auf jedem Ständer ruht ein Balkenkopf. Zwischen je zwei Balkenköpfen befindet sich ein Längsbalken, auf dem wiederum die Dachbalken liegen. Der Abstand zwischen den Dachbalken ist gleichmäßig, je vier sind über ein Joch verteilt, kein Dachbalken ruht oberhalb eines Ständers. Oberhalb des Eckständers ist sowohl in der Trauf- als auch in der Giebelansicht ein geschnittenes Holz dargestellt. Es müsste sich also um einen Holzwürfel handeln, dessen Seiten ständerbreit sind. Das ist wenig wahrscheinlich, denn man hätte den Ständer auch um die Höhe dieses Holzwürfels verlängern können. Fraglich bleibt, ob die Last des Daches tatsächlich wie dargestellt auf Längsbalken abgeleitet wird, die zwischen den Querbalken befestigt sind. Stabiler und einfacher wäre es doch, auf die Querbalken oberhalb der Ständer einen durchgehenden Rähmbalken zu legen, auf dem die Dachbalken ruhen.
Oberhalb der Dachbalken ist die Dachhaut mit zwei niedrigen Hechtgauben abgebildet. Das Dach ragt an der Giebelseite nur minimal über die Wand hinaus. Die Gauben erstrecken sich jeweils fast über die gesamte Länge. Die unterschiedlichen Neigungsgrade der Dachfläche oberhalb der Aufschieblinge, der Gaubendachfläche und der übrigen Dachfläche sind, da auf die Einzeichnung der waagrechten Kehlen verzichtete wurde, nicht differenziert dargestellt.
Die Darstellung des Tabakschuppens steht in wesentlichen Punkten im Einklang mit den Beschreibungen von Zeller: Das Gebäude ähnelt einer Scheune, abgebildet sind die Dachgauben zur Belüftung, in der Traufansicht sind auf Lücke genagelte Bretter dargestellt, mit denen der Schuppen verkleidet ist.

Auffällig sind die konstruktiven Unterschiede zwischen Giebel- und Traufwand. Während die Giebelwand an eine traditionelle Fachwerkkonstruktion mit Ständer, Riegel und Streben erinnert, entspricht die Traufseite mit dem weiten Abstand der Ständer (etwa 3,5 – 4 m, an der Giebelseite dagegen nur etwa 1,4 m) und den Kreuzstreben dem zeitgenössischen Stand der Technik für den Bau landwirtschaftlicher Gebäude.
Was den Pfälzischen Schuppen von dem Elsässischen und dem Holländischen Schuppen klar unterscheidet, ist die Art der Wandverkleidung. Letztere besitzen geschlossene Wandflächen mit hohen schmalen Klappen bzw. großen Läden. Beim Pfälzischen Schuppen ist die Wand dagegen zwischen den Brettern einen Spalt weit offen. Anders als Zeller, demzufolge die auf Lücke genagelten Bretter „am zweckmäßigsten in horizontaler Richtung“ angebracht sind, sind die Bretter in der Traufansicht senkrecht dargestellt. Von Babo und Hoffacker lehnen diese offene Wandverkleidung übrigens ab:

„Obgleich wir diese Methode [der offenen Wandverschließung, im Unterschied zur geschlossenen], der Wohlfeilheit halber, in der Pfalz beinahe allgemein antreffen, so ist dieselbe dennoch nicht so sehr zu empfehlen, da durch die Zwischenräume leicht der Regen eindringen kann.“

Ihr Gegenvorschlag, die Wand mit Drainageröhren (!) oder auf Lücke verlegten Ziegeln zu schließen, verhallte unerhört. Bei den heute existierenden Schuppen in der Pfalz, deren Wände aus auf Lücke genagelten Brettern bestehen, sind diese fast ausschließlich senkrecht angebracht.

Weiter: Der Pfälzische Tabakschuppen: Grundriss

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