2 Notschuppen

Als Notschuppen bezeichnet man von Babo und Hoffacker zufolge „leichte Stangengerüste mit Strohdächern, die der Festigkeit halber an ein Haus geklammert und auf der Sommerseite ebenfalls mit Stroh oder Rohr bedeckt werden.“
Die früheste Erwähnung eines solchen Notschuppens stammt aus dem Jahr 1836. In einem Beitrag für das „Landwirthschaftliche Wochenblatt für das Großherzogthum Baden“ berichtet Metzger über „Versuche über das Trocken des Tabacks in offenen Schopfen“. Anlass waren die Klagen der Tabakaufkäufer über die schlechte Qualität der Tabakblätter. Als Ursache benennt Metzger den „Mangel zweckmäßiger Trockenhäuser“. Um Abhilfe zu schaffen, experimentierte man mit dem Bau eines „offenen und transportablen Schopfen[s]“ . Hierzu ließ man in einem Garten in Heidelberg

„einige Böcke von 12 Schuh Länge und 12 Schuh Höhe, nach Art derjenigen, welcher die Maurer zur Anfertigung ihrer Gerüste sich bedienen, vom Zimmermann aus leichtem Stangen- und Riegelholz fertigen, stellte diese in einer Reihe, 12 Schuh von einander entfernt, auf und setzte darüber ein aus beweglichen Brettern und Sparren bestehendes Dach, wodurch man einen 15 Schuh hohen und 12 Schuh breiten gedeckten Raum erhielt. Die Seiten blieben ganz offen und damit die Luft und Sonne gehörig einwirken konnte, (294) so wurden an trockenen Tagen einige Borde abgenommen und Abends wieder gehörig aufgelegt. Der ganze bedeckte Raum wurde weiter mit Stangen belegt, um den gewonnenen Tabak nach gewöhnlicher Art daran hängen zu können“(Metzger, 1836, S. 294-295)

Im Unterschied zur soliden und darum teuren Tabakscheune, die Zeller beschreibt, ist der Notschuppen eine kostengünstigere Variante, da er aus billigem Material hergestellt wird, wozu, so versichert Metzger „selbst der Aermere Mittel und Gelegenheit finden dürfte.“ Von Babo und Hoffacker nennen Hopfenstangen als Baumaterial. Als Vorbild dienten keine Gebäudetypen, die eine ähnliche Funktion erfüllen, z. B. Papiertrockenräume oder Speichergebäude. Stattdessen wagte man einen konzeptionellen Neuanfang und gestaltete das Hauptelement des Schuppens, die Böcke, nach der Art von Maurergerüsten.
Die Abbildung 19 ist einer Mustersammlung für Maurer entnommen. Sie zeigt ein Gerüst, wie es Maurer um 1844 verwendeten. Es handelt sich um ein traditionelles Stangengerüst, bestehend aus senkrechten Rüststangen, den waagrechten und parallel zur Hauswand liegenden Streichstangen und den waagrechten Netzriegeln, die das Gerüst mit der Hauswand verbinden. Die 15 bis 50 Fuß langen und vier bis sechs Zoll dicken Rüststangen sollen in einer Entfernung von höchstens 12 Fuß in drei bis sechs Fuß tiefe Erdlöcher aufgestellt werden. Die waagrechten Stangen sind mit den Rüststangen durch Stricke verbunden.
Waren Stangengerüste tatsächlich das Vorbild für das Gerüst der Notschuppen? Abbildungen der Notschuppen sucht man Metzger und seinen badischen Kollegen vergebens. Fündig wird man in „Der Anbau des Tabaks und der Weberkarden“ (1853) von Hugo Schober, Dozent an der Hochschule Tharand bei Dresden. Da er „bei einem längeren Aufenthalte in Heidelberg während der Monate August und September im Jahre 1851 in Bezug auf den mei(IV)sterhaften Betrieb des Tabaksbaues in der badischen Pfalz“ Gelegenheit hatte, die Tabakschuppen mit eigenen Augen zu sehen, dürfte Schober ein durchaus verlässliches Abbild der Notschuppen liefern (Vgl. Abbildung 20.). Es handelt sich um drei Holzschnitte, die die Traufseite (Figur 31), einen Querschnitt (Figur 32) und einen Grundriss (Figur 33) darstellen. Außerdem äußert sich Schober im Text knapp über das Äußere und die innere Struktur eines Schuppens, den er als „Dossenheimer Schuppen (Notschuppen)“ bezeichnet.

Weiter: Notschuppen: Längsschnitt

Notschuppen: Querschnitt

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