Die ersten Trockenräume. Tabaktrocknung im 16. und 17. Jahrhundert

Der  gesamte Text als pdf-Datei: Vorgängerbauten (inklusive Fußnoten und Quellenbelege)

Bevor es ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Pfalz üblich wurde, den Tabak in speziellen Tabakschuppen zu trocknen, dienten andere Gebäude und Räume der Tabaktrocknung. Diese Trockeneinrichtungen sind insofern Vorgängerbauten der Tabakschuppen, als sie den gleichen Zweck erfüllen sollten. Die Entwicklung der inneren Einrichtung eines Tabaktrockenraumes, nämlich das Gerüst aus waagrechten firstparallelen Stangen, zwischen denen die Tabakbandeliere waagrecht aufgehängt wurden, beginnt bei diesen ersten Trockenräumen und wird in den frühen und späten Tabakschuppen fortgeführt.

1 Tabaktrocknung in der Wohnstube

Seit der Einfuhr der ersten Tabakpflanzen und -blätter nach Europa nutzte man im ausgehenden 16. Jahrhundert den Tabak in erster Linie als Heilpflanze, daneben fand er in den Gärten als Zierpflanze Verwendung. Eine heilende Wirkung sprach man der gesamten Pflanze, insbesondere den Blättern zu. Man gebrauchte sie frisch oder in getrocknetem Zustand. Das früheste deutschsprachige Dokument, das die Tabaktrocknung beschreibt, sind die „Siben Bücher von dem Feldbau“ aus dem Jahr 1580, gedruckt in Straßburg. Es handelt sich dabei um die Übersetzung der französischen Schrift „L´agriculture et Maison rustique“ von Charles Estienne und Jean Liebault, Übersetzer war der Mediziner Melchior Sebisch. Ein eigenes Kapitel ist dem Tabak gewidmet. Für dessen Trocknung empfehlen Estienne und Liebault, man solle

„der schönsten und mittelmässigen pletter nehmen, und sie mit eynem Faden zusamen binden, darnach inn eyner Kammer, aber doch inn keyner Sonnen, noch inn den Wind, noch nahe bei das Feuer auffgehenckt, als ganz behalten, und demnach, wann es die Not erfordert, zu pulver gestossen und gebrauchet.“

Dieser kurze Textausschnitt gestattet einen Einblick in die Frühzeit der Tabaktrocknung. Zum einen erfährt man, dass die einzelnen Blätter getrocknet wurden – und nicht die gesamte Pflanze oder einzelne Blattteile. Diese Aggregationsebene des Trockengutes blieb bis in die Gegenwart beibehalten, obwohl es im 19. Jahrhundert Bestrebungen gab, zur Trocknung der ganzen Pflanze zu wechseln. Die Größe des Trockengutes bestimmt die zur Trocknung nötigen Utensilien, die Raumaufteilung und die Arbeitsabläufe. So braucht man für die Trocknung von Blattteilen ein Flachsieb oder ein Tuch. Die Blätter hängt man an einen Faden oder eine dünne Stange, die ganze Pflanze dagegen an einen stabilen Balken. Estienne und Liebault empfehlen die Trocknung an einem Faden.

Weiter: Wohnstube (II) Die ersten Tabakbandeliere

2 Tabaktrocknung auf Dachböden

Dachboden (II)

Dachboden (III)

Sonstige private Dachböden. Öffentliche Dachböden

3 Die Hauswand als Trockenraum

4 Sonstige Trockenräume

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s